Der Begriff Angsthund hat sich mittlerweile stark etabliert, auch für Hunde, die eher scheu und unsicher als ängstlich sind. Doch Angsthunde zeigen andere Symptome oder Verhaltensweisen, und es ist wichtig, einem Angsthund entsprechend zu begegnen, um ihn bestmöglich zu unterstützen. Die menschliche Bezugsperson spielt hier eine entscheidende Rolle.

Was zeichnet einen Angsthund aus?

Ängstliche Hunde fürchten sich vor vielen Dingen und es gibt unterschiedliche Ausprägungen. Grundsätzlich lässt sich unterscheiden zwischen Umweltängsten (Umwelteinflüsse wie Geräusche, Umgebungen, Situationen), Sozialängsten (fremde Menschen oder Hunde) und Ängsten vor allem Unbekanntem (Neophobie). Der Hund reagiert auf bestimmte Eindrücke oder Situationen unbewusst mit Angst aus dem Gefühl heraus, dass Gefahr droht und die Angst sein Überleben sichert. Lebt der Hund dauerhaft in diesem Zustand, der enormen Stress bedeutet, können wir von einem Angsthund oder auch von einer Angststörung sprechen.

Ursachen einer Angststörung

Zuerst denken wir bei der Ursachenforschung vermutlich an Hunde, die schlechte Erfahrungen im Leben gemacht haben. Dies gehört zwar dazu, aber die Ursachen sind weitaus vielfältiger und komplexer. Weitere Ursachen können sein:

  • Fehlende Sozialisation und mangelnde Umweltreize in den ersten Lebenswochen des Hundes
  • Genetische Ursachen, bedingt durch fehlende Kenntnisse bei der Zucht
  • Ungünstige Erfahrungen im Welpenalter durch betreuende Menschen oder andere Hunde
  • Zu frühe Trennung von der Mutter, Stichwort „Wühltischwelpen“
  • Tierschutzwidrige Trainingsmethoden in Form von Drohen, Bestrafen, Schmerzen
  • Einsatz von tierschutzwidrigem Zubehör wie Stachelhalsbändern, Wasserpistolen uvm.
  • Schlechte Erfahrungen im direkten Umfeld des Hundes, beispielsweise Straßenhunde
  • Vermittlung des Hundes in ein für ihn nicht passendes Umfeld
  • Fehlende Sachkunde oder Überforderung des Halters
  • Traumata, beispielsweise Unfälle oder Aufenthalte in Tötungsstationen
  • Stress in vielerlei Form

Wie reagieren Angsthunde?

Von Natur aus sind Hunde neugierig und gehen auf neue Situationen offen zu. Natürlich gibt es auch hier Charakter- und Persönlichkeitsunterschiede. Doch Hunde mit einer Angststörung zeigen oft dauerhaft typische Verhaltensweisen.

Körperlicher Ausdruck: Eingezogene Rute, Zittern, angelegte Ohren, Hecheln, Kurzatmigkeit, auffallende Anspannung der Muskeln, schnelle Reaktionen, weite Pupillen, Schweißbildung unter den Pfoten, Bluthochdruck, Haarausfall.

Verhaltensausdruck: generelle Unruhe, Verteidigung seiner Ressourcen, Wundlecken, Rammeln, schnell und viel fressen, vermehrte Harnausscheidung (Stresspinkeln) sowie Wasseraufnahme, Fluchtverhalten.

Wie hilfst du einem Angsthund?

Chronisch ängstliche Hunde stehen dauerhaft unter Stress. Da Stress auf Dauer krank macht – lies hier ausführlich etwas dazu – musst du deinem Hund helfen. An erster Stelle steht die tierärztliche Untersuchung, um eventuelle medizinische Ursachen abzuklären. Weiterhin benötigst du einen kompetenten und einfühlsamen Hundetrainer, der dich unterstützt und dir erklärt, wie du in welcher Situation mit deinem Hund umgehen solltest. Ebenso musst du deine eigene Fachkompetenz sowie deinen Umgang mit deinem Hund auf den Prüfstand stellen. Denn du spielst auf dem Genesungsweg deines Hundes eine Schlüsselrolle und wenn du deine eigenen Ängste, Sorgen, Probleme oder auch fehlende Sachkenntnis auf deinen Hund überträgst, gilt es, dies aktiv anzugehen.

Analyse der Angstauslöser

Hilfreich ist es, eine Liste zu erstellen mit allem, was Ängste in deinem Hund auslöst. Wenn du ihn gut beobachtest, wird diese Liste sich nach und nach leicht füllen. Dies hilft deinem Hundetrainer, euch gut zu begleiten. Denke ganz praktisch an die Sicherung deines Hundes mit passendem Brustgeschirr und Leine, denn schon manch ein ängstlicher Hund hat sich aus seinem einfachen Halsband befreit und ist panisch davongelaufen.

Fazit

Der Weg, einem ängstlichen Hund zu helfen, ist meist ein längerer, aber er lohnt sich. Halte den Stresslevel so gering wie möglich und gib deinem Hund immer wieder Erfolgserlebnisse und Belohnung. Lasse dir in jedem Fall von einem Trainer helfen, der auf Verhaltenstherapie ausgerichtet ist.