Dackel Eduard hat auf dem Spaziergang etwas Undefinierbares gefressen, zittert mit einem Mal am ganzen Körper und bricht zusammen. Die Katze ist angefahren worden. Das Kaninchen sitzt apathisch im Gehege. Das alles passiert natürlich meistens am Wochenende, und in solchen Fällen hilft der Tierarzt-Notdienst. Die Behandlungskosten, die auf Tierhalter zukommen, werden in der Tierarzt-Gebührenverordnung (GOT) geregelt. Doch ab Februar 2020 gibt es einige Neuerungen. Konkret: Der Tierarzt-Notdienst wird teurer.

Die Neuregelungen im Einzelnen

Du ahnst es natürlich schon: Die Tierarztkosten, insbesondere für den Tierarzt-Notdienst, sind ab Februar 2020 gestiegen. Tierhalter müssen für die Inanspruchnahme des Tierarzt- Notdienstes nun tiefer in die Tasche greifen. Die Neuerungen der GOT lauten im Einzelnen:

Der Tierarzt ist verpflichtet, für jede Notfallbehandlung eine Extragebühr von 50 Euro zu berechnen. Diese Gebühr ist neu. Die 50 Euro sind übrigens der Nettobetrag. Du als Tierhalter wirst also 59,50 Euro bezahlen. Des Weiteren ist er dazu verpflichtet, für eine Notfallbehandlung mindestens den zweifachen Gebührensatz zu berechnen. Je nach Aufwand darf er bis zum vierfachen berechnen – bis 2019 war es maximal der dreifache. Außerdem hat sich der Satz für das Wegegeld etwas erhöht, das heißt also: Das Kilometergeld bei Haus- oder Stallbesuchen steigt. Die gute Nachricht lautet, dass die Bereitschaftszeiten für den Tierarzt-Notdienst verlängert werden. Sie beginnen jetzt an jedem Werktag (vor dem Wochenende freitags) um 18 Uhr und enden um 8 Uhr morgens. Bis 2019 begannen sie um 19 Uhr und endeten um 7 Uhr morgens.

Ausnahmen von der Gebührenerhöhung

Die Tierarztkosten können also im Einzelfall richtig hoch werden. Allerdings gibt es auch ein paar Ausnahmen: Wenn der Tierarzt innerhalb der Notdienstzeiten, zum Beispiel am Samstag, eine reguläre Sprechstunde anbietet, gelten der erhöhte Satz und die Extragebühr nicht. Hat der Tierarzt mit einem Tierheim oder Tierschutzverein einen Betreuungsvertrag abgeschlossen, ändert sich hier ebenfalls nichts. Falls ein Halter den Tierarzt mit mehreren Tieren auf einmal aufsucht, wird die Pauschalgebühr für den Tierarzt-Notdienst nur einmal erhoben. Wenn du also zwei kranke Hunde hast, ist es besser, mit beiden auf einmal hinzufahren.

Warum eine neue Gebührenverordnung?

Der Tierarzt-Notdienst kann (Tier-)Leben retten. Doch er ist nicht überall in Deutschland flächendeckend gegeben. Und so mancher Tierbesitzer sieht keine andere Möglichkeit, als im Notfall in die nächstgelegene Tierklinik zu fahren – und das je nach Lage mit entsprechend langer Anfahrt. Ein Problem besteht darin, dass der Tierarzt-Notdienst für die Praxen finanziell und personell oft kaum zu stemmen oder sogar ein Minusgeschäft ist. Das liegt daran, dass es für Tierärzte keine Bereitschaftsregelung wie für Humanmediziner gibt. Denn angestellte Tierärzte dürfen pro Tag acht Stunden arbeiten, mehr nicht. Das wird kontrolliert, und wer sich nicht daran hält, riskiert hohe Bußgelder. Dies hat zur Folge, dass erstens oft gar kein Personal da ist, um den Notdienst abzudecken, und dass zweitens der Notdiensteinsatz richtig teuer für die Tierarztpraxis ist. Zumindest am zweiten Punkt setzt die Gesetzesänderung vom 1.1.2020 an. So ärgerlich sie für Tierhalter auch ist.

Wann zum Notdienst?

Natürlich ist es so, dass der Tierarzt- Notdienst auch wirklich nur für den Notfall gedacht ist. Ein Notfall besteht dann, wenn das Tier akut gefährdet ist oder unter starken Schmerzen leidet. Eine akute Gefährdung erkennst du als Tierhalter zum Beispiel daran, dass eines der folgenden Symptome zutrifft:

Wenn eines dieser Merkmale gegeben ist oder dein Tier starke Schmerzen hat, wirst du als verantwortlicher Tierhalter in den sauren Apfel beißen und den Tierarzt-Notdienst in Anspruch nehmen müssen. In allen anderen, unkritischen Fällen kannst du vielleicht doch besser bis zur nächsten Sprechstunde warten. Jedoch solltest du stets zugunsten des Tieres entscheiden und im Zweifel den Tierarzt-Notdienst lieber einmal zu viel als zu wenig aufsuchen. An dieser Stelle birgt die neue Gebührenverordnung durchaus eine Gefahr. Denn manch ein Tierhalter verzichtet womöglich auf die Behandlung des Tieres in der Notfallsprechstunde, weil er sich die Extrakosten nicht leisten kann oder will.

Unsere Übersicht aller notdiensthabenden Tierarztpraxen findest du hier.

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