Weidende Kühe sind, zumindest in ländlichen Gebieten, ein vertrauter Anblick. Leider gelten Kühe hierzulande in erster Linie als Fleisch- oder Milchlieferanten und nur wenigen ist bewusst, dass Kühe außerordentlich soziale und intelligente Herdentiere sind. Wir geben dir einen Einblick in die faszinierende Welt der Kühe.

Die Kuh – Herdentier mit Persönlichkeit

Wie Hunde, Katzen und andere Tiere auch, hat auch jede Kuh ihre ganz eigene Persönlichkeit. Es gibt freundliche, zickige, vorsichtige oder mutige Charaktere und jede Kuh reagiert ganz individuell auf Situationen. Als Herdentiere bilden auch sie Freundschaften und Hierarchien untereinander. Sie können einander bis zu einer Herdengröße von rund 100 Tieren wiedererkennen und drücken ihre Zuneigung durch gegenseitiges Ablecken des Fells aus. Übrigens resultieren die unterschiedlichen bunten Fellfarben wie schwarz-weiß oder braun-weiß aus den verschiedenen Rassen.

Kühe leben nach ihren eigenen Hierarchien

Der Bezug zur Herde ist das Wichtigste im Leben einer Kuh und ohne Artgenossen wäre sie unglücklich und würde schnell krank. Tatsächlich zeichnet sich das Leittier einer Herde vor allem durch seine Sozialkompetenzen aus und Aggressivität oder Autorität sind als Eigenschaften nicht gefragt. Wenn du einmal beobachtest, wie Kühe sich auf der Weide zum Ausruhen hinlegen, kannst du daran etwas über die Sozialstruktur der Herde erkennen. Denn sie legen sich am liebsten mit ihren engen Freundinnen zusammen. Untereinander kommunizieren die Tiere über Laut- und Körpersprache. Hierbei gibt die Haltung des Kopfes oder des Schwanzes Aufschluss über die momentane Befindlichkeit der Kuh. Außerdem kannst du bei ihnen unterschiedliche Gesichtsausdrücke beobachten, die ihre Artgenossen deuten können. Neben Körperhaltung und Mimik drücken auch die Stimmlaute der Kuh ihre Stimmungslage und Gefühle aus.

Physische Fähigkeiten der Kühe

Kühe verfügen über ausgezeichnete Sinne, wobei ihr Geruchsinn besonders gut ausgeprägt ist. Sie können Gerüche über hohe Distanzen wahrnehmen, tatsächlich bis zu zehn Kilometern. Ihr Gehör kann hohe und tiefe Frequenzen wahrnehmen, die dem menschlichen Gehör verborgen bleiben. Des Weiteren verfügen die Tiere über ein gutes Langzeitgedächtnis und haben ein ausgezeichnetes Ursache-Wirkung-Verständnis. Dieses ermöglicht es einer Kuh, intellektuelle Aufgaben und Probleme zu lösen, was ihr erwiesenermaßen ausgesprochen Spaß macht.

Auch Kühe haben Gefühle

Unser Umgang mit Kühen als so genanntes Nutztier legt nahe, dass wir uns ihrer Emotionen nicht bewusst sind. Werden Kühe voneinander getrennt, weil ein Herdenmitglied stirbt oder abtransportiert wird, empfinden Kühe tiefe Trauer über den Verlust. Wissenschaftler konnten sogar beobachten, dass Kühe weinen können, wenn sie trauern. Bedenken wir dies bei der Trennung der Kälbchen von der Mutterkuh zwecks der Milchproduktion sowie bei den gängigen Haltungsformen, wird das tagtägliche Leid der Kühe besonders deutlich.

Fazit

Die natürliche Lebenserwartung einer Kuh beträgt bis zu 20 Jahre. Schlachtkühe werden maximal 24 Monate alt, Milchkühe leben durchschnittlich maximal fünf Jahre, und das zumeist unter nicht artgerechten Bedingungen. Neben dem sich inzwischen ändernden Verhalten der Verbraucher hin zu weniger Konsum von Fleisch- und Milchprodukten widmen sich einige Einrichtungen, wie beispielsweise der Erdlingshof, dem Schutz von Kühen. Der Anfang 2020 erschienene Dokumentarfilm „Hof Butenland“ hat außerdem zu einem Umdenken im Umgang mit diesen faszinierenden Tieren beigetragen.

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Über den Autor / die Autorin → Andrea Schubert
Ich liebe Tiere sehr und hatte Kaninchen, Meeris, Hunde, Katzen und ein Pferd. Vor einigen Jahren habe ich bereits Beiträge für ein Haustier-Printmagazin geschrieben.