Der Hund gehört, nach der Katze, zum liebsten Haustier der Deutschen, die derzeit insgesamt knapp 12 Millionen Hunde halten. Zwar ist der Schutz von Haustieren im Tierschutzgesetz verankert, welches jedem Tier ein artgerechtes Leben sichern soll. Dies ist der Bundesregierung nicht genug, denn sie plant eine neue Hundeverordnung mit schärferen Gesetzen zum Schutz unserer liebsten Vierbeiner. Welche Veränderungen bringt die neue Hundeverordnung?

Neue Verpflichtungen für Hundehalter

Das Bundeslandwirtschaftsministerium hat Mitte August 2020 einen neuen Gesetzentwurf vorgelegt, der neben verbesserten Regelungen zum Schutz von Nutztieren auch eine neue Hundeverordnung beinhaltet. Diese sieht folgende neue Verpflichtungen für private Hundehalter vor: Ein Hund, der keinen Auslauf im Garten o.ä. bekommen kann, muss zweimal täglich mindestens eine Stunde lang zum Gassi gehen. Des Weiteren sieht die neue Hundeverordnung vor, dass Hunde nicht mehr den ganzen Tag allein gelassen werden dürfen. Stattdessen muss sich eine Betreuungsperson mehrfach täglich um den Hund kümmern. Damit der Hund „ausreichend Bewegung und Kontakt zu Umweltreizen“ bekommt, ist auch Zwinger- oder Kettenhaltung künftig verboten.

Schärfere Vorgaben für Hundezüchter

Auch für Hundezüchter sollen gemäß der neuen Hundeverordnung schärfere Regelungen in Kraft treten. So sollen Qualzuchten sowie Ausstellungen für überzüchtete Hunde zukünftig verboten werden. Unter Qualzucht fallen alle Hunde, die aufgrund ihrer körperlich angezüchteten Merkmale kein artgerechtes Leben mehr führen bzw. artgerechtes Verhalten zeigen können. Außerdem dürfen Züchter zukünftig nicht mehr als drei Hündinnen mit Welpen gleichzeitig halten. Zum Schutz der Welpen müssen Züchter eine Umgebungstemperatur von mindestens 18 Grad für die ersten zwei Lebenswochen sowie täglichen Auslauf gewährleisten.

Neue Hundeverordnung: Pro und Contra

Grundlage für diese Entscheidungen in der neuen Hundeverordnung sind „neue wissenschaftliche Erkenntnisse von Hunden“, so das Landwirtschaftsministerium. Die neue Hundeverordnung soll Tierschutz und Tierwohl verbessern und Hunden eine bessere Lebensqualität bieten. Doch sie birgt bestimmt allerlei Zündstoff für Diskussionen, wobei der grundsätzliche Ansatz sicherlich begrüßenswert ist.

Pro neue Hundeverordnung

Der neuen Hundeverordnung liegt der Gedanke zugrunde, dass Hunde schützenswerte Tiere sind und ihr Wohl aufgrund des geltenden Tierschutzgesetztes und des teilweise erforderlichen Sachkundenachweises nicht ausreichend gesichert ist. Gehen wir mit aufmerksamem Blick durch die Gegend, werden wir feststellen, dass dies leider auch so ist. Die neue Verordnung kann dafür sorgen, dass Halter sich bewusster mit den Bedürfnissen ihrer Tiere auseinandersetzen und deren Haltungsbedingungen anpassen.

Besonders die für Züchter geltenden Neuregelungen sind zu begrüßen. Qualzuchten nehmen gerade in der jüngsten Zeit Überhand, sicherlich befeuert durch Social-Media-Nerds, die sich mit ihren possierlichen Hündchen auf Insta & Co. in Szene setzen. Somit könnten vor allem Möpse, Französische Bulldoggen oder Teacup-Hunde von der neuen Hundeverordnung profitieren, da diese Rassen deutliche Merkmale von Überzüchtung und somit starken körperlichen Einschränkungen zeigen.

Contra neue Hundeverordnung

Gegner der neuen Hundeverordnung bemängeln zurecht, dass sich die Neuregelungen kaum kontrollieren lassen. Wer will überprüfen, ob jemand seiner Gassi-Pflicht nachkommt oder seinen Hund nicht mehr als X Stunden am Tag allein lässt? Im Übrigen gibt es Fälle, in denen eine zweimal einstündige Gassirunde gar nicht möglich ist, beispielsweise bei einem alten oder kranken Hund. Des Weiteren führen Gegner an, dass gerade aktuell zu Corona-Zeiten mehr als genug Restriktionen eingeführt wurden und eine neue Hundeverordnung einen weiteren Eingriff in unsere Selbstbestimmung darstellt.

Hinsichtlich der Qualzuchten ist das Problem, dass sich seriöse Hundezüchter recht wahrscheinlich an die neue Hundeverordnung halten, jedoch auch jetzt schon weitestgehend Sorgfalt bei der Zucht walten lassen. Bei Qualzuchten sind jedoch die illegalen Vermehrer das Problem, die die armen Welpen zu Dumping-Preisen auf den Markt werfen. Diese bedauernswerten Geschöpfe schützt eine neue Hundeverordnung nicht und verhindert auch nicht, dass verantwortungslose Menschen diese Hunde kaufen.

Fazit

Was im Grunde ein guter Denkansatz der Bundesregierung ist, hilft nicht wirklich den Hunden, die tatsächlich Schutz brauchen. Hier wäre zum einen eine generell umfassendere Aufklärung potenzieller Hundehalter notwendig, sowie zum anderen strengere Überwachung bei illegalen Zuchten. Doch so lange kein generelles Umdenken hinsichtlich des Umgangs mit unseren Mitgeschöpfen stattfindet, hilft auch kein neues Gesetz. Wie denkst du darüber? Mach mit bei unserer Diskussion zum Thema.

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