Viele Menschen kümmern sich in unterschiedlichster Art und Weise um das Wohlergehen von Tieren und Haustieren und sorgen dafür, dass sie ein glückliches Leben haben. Doch was ist mit jenen, deren Leben ein jähes Ende findet, die nicht mehr Nachhause kommen, was ihre Halter in Ungewissheit zurücklässt?

Katzen sind die Hauptopfer im Straßenverkehr

In erster Linie werden, neben Wildtieren, Freigänger-Katzen Opfer im Straßenverkehr. Es gibt nur ungenaue Statistiken, aber schätzungsweise werden jedes Jahr bundesweit rund 300-500.000 Katzen überfahren. Meistens werden die Tiere achtlos am Straßenrand liegen gelassen, und ihre Halter werden in vielen Fällen nie erfahren, was ihrem Liebling zugestoßen ist.

Ein unerträglicher Gedanke, findet Julia Welsch, und beschließt, diese Lücke zu schließen. Die 28-Jährige lebt in Seevetal-Hittfeld im Landkreis Harburg, südlich von Hamburg. Gemeinsam mit Freunden gründete sie den Verein zur Hilfe und Unterstützung tot aufgefundener Haustiere e.V. und kümmert sich mit der Hilfe vieler ehrenamtlicher Helfer um das Bergen überfahrener Haustiere – in erster Linie sind es Katzen – im ganzen Landkreis.

Würdevoller Umgang mit verstorbenen Haustieren

Berührungsängste mit dem Tod hat die tierliebe junge Frau, die selbst zwei Hunde hat, nicht. Als Bestatterin begegnet sie dem Tod täglich, wobei ihr der würdevolle Umgang mit den Verstorbenen besonders wichtig ist. Ihr Verein widmet sich mit ebendieser Hingabe dem Bergen überfahrener Haustiere und dem Wunsch, diese zu ihrem Besitzer zurückzubringen, damit sie ihr Tier würdevoll bestatten können. Eine große Aufgabe, die viele Helfer und einiges an Equipment benötigt.

Haustiertotfund: Nachhause kommenBilanz: 70% Erfolgsquote

Seit der Vereinsgründung im März und Beginn der ehrenamtlichen Arbeit im September 2018 zieht Julia Bilanz: 196 überfahrene Katzen wurden dem Verein Haustiertotfund gemeldet. Davon wurden 134 Katzen ihren Besitzern zurückgegeben. Die übrigen 62 Katzen, deren Besitzer der Verein nicht ausfindig machen konnte, hat Julia mit ihren Freunden selbst liebevoll beerdigt.

Auffinden und Bergen von Haustieren

Doch was geschieht genau, wenn eine Katze überfahren aufgefunden wird? Der Finder meldet den Fund direkt bei Julia, entweder über die Telefonnummer 04105-407 59 92, ihre Facebook-Gruppe oder das Meldeformular auf ihrer Webseite. Einer der über 50 ehrenamtlichen Bergungshelfer oder auch Julia selbst macht sich auf den Weg, um das Haustier zu bergen. Je größer also der Bekanntheitsgrad des Vereins Haustiertotfund ist, desto größer ist die Chance, dass das Haustier Nachhause überführt werden kann. Selbstverständlich kann jeder, der eine überfahrene Katze findet, diese selbst bergen und mitnehmen und sich dann an den Verein wenden, der sich darum kümmert, die Besitzer des Haustieres ausfindig zu machen. Hierbei betont Julia immer wieder, wie wichtig es ist, beim Bergen von Tieren strenge Regeln und Verhaltensmaßnahmen zu beachten, um sich nicht selbst zu gefährden. Und bitte keine fremden Haustiere einfach bei sich im Garten beerdigen, auch wenn es lieb gemeint ist, denn irgendwo da draußen wartet bestimmt eine Familie auf das liebe Haustier.

Ein gut funktionierendes Netzwerk ist besonders wichtig

Das Team der Bergungshelfer ist mit allen notwendigen Materialien wie Handtücher, Folien, Behältern, Desinfektionsmittel und Einmalhandschuhen ausgestattet, um in jeder Situation beherzt agieren zu können. Einige Bergungshelfer verfügen über ein Chip-Lesegerät, mit dem sie die Daten des Chips, sofern die Katze einen trägt, auslesen können. So besteht die Möglichkeit, die Halter über den Fund zu informieren. Trägt die Katze keinen Chip, wird über soziale Netzwerke und lokale Kontakte versucht, anhand von Fotos und Beschreibungen die Besitzer der Katze zu finden. Dies gelingt, wie die Zahlen belegen, in rund 70% der Fälle! Daher ist ein gut funktionierendes Netzwerk besonders wichtig für den Verein Haustiertotfund. Inzwischen arbeitet Julia eng mit der Autobahnmeisterei, Polizeidienststellen und Bauhöfen zusammen, die immer wieder überfahrene Haustiere auffinden. Auch mit regionalen Tierärzten und Tierheimen ist der Verein inzwischen gut vernetzt.

Kaum jemand kümmert sich um tote Haustiere

Der Dienst an den überfahrenen – fast 100% – Katzen und ihren Haltern ist ein wahrhaft selbstloser Dienst und eine echte Herzensangelegenheit. Denn kaum jemand kümmert sich in dieser Weise um tote Haustiere. Die meisten der benötigten Materialien, wozu auch Kühlbehälter für die Aufbewahrung der toten Körper gehören, hat der Verein auf eigene Kosten angeschafft. Doch viele Menschen spenden gern für diese einzigartige Form der Hilfe und bringen Desinfektionsmittel, Handtücher, Einmalhandschuhe uvm. in Seevetal vorbei. Denn besonders Katzenhalter wissen, dass es jeden treffen kann und sind besonders dankbar für den Einsatz des tatkräftigen Teams.

Haustiertotfund: Nachhause kommenHilfe für den Verein Haustiertotfund

Du möchtest dem Verein zur Hilfe und Unterstützung tot aufgefundener Haustiere e.V. helfen? Dann kannst du, sofern du im Landkreis Harburg lebst, ehrenamtlicher Bergungshelfer werden. Zudem freut sich der Verein über Spenden, um Materialien für die Bergung, Aufbewahrung und Einäscherung der Katzen finanzieren zu können. Auch Sachspenden werden gern angenommen. Alle Informationen rund um die Arbeit des Vereins zur Hilfe und Unterstützung tot aufgefundener Haustiere e.V. bekommst du auf der Webseite www.Haustiertotfund.de.

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Über den Autor / die Autorin → Petra Schulz HPC-Team Administrator
Als Redakteurin kümmere ich mich um das Magazin des HPC und schreibe Beiträge und Reportagen. 🙂