In den letzten Jahren hat sich ein neuer Erziehungsstil entwickelt, den überfürsorgliche Eltern bei ihren Kindern anwenden. Die so genannten Helikopter-Eltern neigen zu ständiger Überwachung und Kontrolle ihrer Kinder, um sie vor vermeintlichen Gefahren zu schützen. Inzwischen ist dieser Trend zunehmend unter Hundehaltern zu beobachten: Die Helikopter-Herrchen und damit verbundene Gefahren für Mensch und Hund nehmen zu.

Angriffe eines Hundes sind meist Abwehrattacken

Statistisch gesehen kommt es zu rund 30.000-40.000 Beißattacken von Hunden pro Jahr. Dabei sind es nicht die „Kampfhunde“, die am häufigsten zubeißen. Tatsächlich führen Schäferhunde, Mischlingshunde und auch Dackel die Statistiken an. Experten haben herausgefunden, dass derlei Angriffe zumeist Abwehrattacken des Hundes sind. Eine Folge des Verhaltens von Helikopter-Herrchen?`

Was sind Helikopter-Herrchen?

Überfürsorgliche Herrchen und Frauchen unterbinden natürliches Hundeverhalten und vermenschlichen ihren Hund. Sie sorgen durch ihren Umgang mit dem Hund bewusst oder unbewusst dafür, dass sich der Hund auf nichts anderes mehr fokussiert als auf sie selbst, was zu unglücklichen Hunden und daraus resultierenden Problemen führt. Vieles, was zu einem normalen Hundeleben dazu gehört und auch dazu gehören muss, ist tabu: Spielen mit anderen Hunden, Freilauf, eigenständiges Bewegen und vieles mehr. Hundemäntel, kleine Pullover, Schleifchen und sonstige Glitzer-Accessoires für den Hund sind dabei noch das kleinste Problem, aber ebenfalls ein Ausdruck dieses Phänomens. Die Übergänge von normaler Fürsorge und Über-Fürsorge sind hierbei oft fließend. Es gibt Helikopter-Frauchen, die ihren kleinen Hund lieber tragen oder im Puppenwagen durch den Park fahren, als ihn selbst laufen zu lassen, mit dem Argument, dies sei für den Hund zu anstrengend.

Kontrollzwang ist stärker als Sachverstand

Hunde sind komplexe Wesen, die viel Sachverstand und Kenntnis im Umgang erfordern. Sie benötigen klare Regeln sowie eine liebevoll-konsequente Erziehung. Gut informierte und entsprechend handelnde Hundehalter wissen das, wohingegen Helikopter-Herrchen ihrem Hund ihre eigenen Vorstellungen überstülpen. Dabei muss es nicht einmal der Fall sein, dass diese Art von Haltern keine Ahnung von Hundehaltung hat – der psychologische Zwang, den Hund in allen Lebenslagen zu kontrollieren und an sich zu binden, ist einfach so viel stärker. Hierbei übersehen sie, dass sie dem Hund und letztlich sich selbst viel mehr schaden als nützen.

Physische und psychische Konsequenzen für den Hund

Wird das Helikopter-Herrchen seinem Hund über eine längere Zeitspanne hinweg nicht gerecht, kommt es zwangsläufig zu Verhaltensauffälligkeiten beim Hund. Tierärzte und Tierheime beobachten verstärkt dieses Phänomen, denn zunehmend kommt es zu unschönen Zwischenfällen, da sich der an sich liebe und treue und aufgrund unsachgemäßer Behandlung zum „Problemhund“ entwickelt hat: Beißattacken häufen sich, der Hund ist im Alltag schwer zu händeln, bleibt nicht mehr gern allein, bellt übermäßig viel, hört nicht oder entwickelt ungesundes Fressverhalten durch Verhätscheln mit Leckerlis oder Essen vom Tisch. Zudem sind damit, neben allem seelischen Unglück, vielfältige gesundheitliche Probleme des Hundes aufgrund mangelnder Bewegung und Fehlernährung verbunden.

Hilfe für Betroffene

Der Hund wird vom gleichberechtigten vierbeinigen Gefährten zum Kind- oder Partnerersatz und stopft das Loch fehlender Liebe. Dies geschieht auf eine Weise, die dem Hund nicht gerecht wird. Hilfe benötigt in erster Linie der betroffene Tierhalter, das Helikopter-Herrchen, selbst. Jedoch ist das zugleich der schwierigste Teil, denn kaum jemand wird sich eingestehen, dass er zu dieser Sorte Herrchen oder Frauchen gehört. Vergleichbar ist dies mit Animal-Hoarding, des Sammelns von Tieren. Genaueres dazu liest du hier. Betroffene benötigen im Prinzip psychologischen Rat oder Hilfe, um sich und ihren Hund aus dieser Situation zu befreien. Das Aufdecken des Helikopter-Herrchen-Phänomens kann nur durch Achtsamkeit und Wachsamkeit, sowohl von Privatpersonen als auch von Institutionen, geschehen. In jedem Fall ist hier noch einiges an Aufklärungsarbeit erforderlich, damit Betroffene sich ihres Problems bewusst werden, sich öffnen und aktiv Hilfe einfordern und diese auch bekommen können.

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Über den Autor / die Autorin → Petra Schulz HPC-Team Administrator
Als Redakteurin kümmere ich mich um das Magazin des HPC und schreibe Beiträge und Reportagen. 🙂