Wer nicht so auf Hund, Katz & Maus steht und es lieber ausgefallener mag, könnte einem Minischwein ein Zuhause geben. Der Trend, kleine Schweine, auch Minipigs oder Teacups genannt, als Haustiere zu halten, begann vor rund 20 Jahren in den USA. Minischweine erfreuen sich inzwischen auch hierzulande zunehmender Beliebtheit, wobei Verantwortungsbewusstsein und gute Planung gefragt sind. Ob ein Minischwein zu dir passen könnte, erfährst du in diesem Überblick.

Steckbrief

Herkunft: Europäisches und asiatisches Wildschwein
Zuchtziel: Ursprünglich wurden sie als Versuchstiere gezüchtet
Größe und Gewicht: rasseabhängig, bis 60 Zentimeter und bis zu 60-100 Kilogramm
Lebenserwartung: 12-15 Jahre
Einstufung: Minischweine gelten als Nutz-, nicht als Haustiere

Die Geschichte des Minischweins

Die Züchtung von Minischweinen begann in den 1940er-Jahren in den USA und setzte sich in den 1960er-Jahren in Deutschland fort. Aufgrund der großen Ähnlichkeit zum Menschen hinsichtlich Physiologie und Anatomie dienten sie in erster Linie als Versuchstiere. Durch Hobbyzuchten sind mittlerweile mehrere Minischweinrassen entstanden, die heute die Herzen von Tierfreunden höher schlagen lassen.

Geruchssinn und Lautsprache

Herausragend ist der Geruchssinn des Minischweins, welcher die Fähigkeiten eines Hundes bei weitem übersteigt. Minischweine lieben es, ihm Boden herumzuschnüffeln, weswegen sie unbedingt nach draußen müssen. Den Geruch und auch die Stimme ihrer Bezugsperson können Minischweine über große Distanzen wahrnehmen. Ebenso markant ist ihre Lautsprache: das Grunzen und Quieken. Minipigs verfügen über ein ganzes Arsenal an Tönen, mit denen sie untereinander kommunizieren und ihre Befindlichkeiten ausdrücken. Angst, Stress Freude, Futtersuche: alles wird mit Grunz- und Quieklauten quittiert. Die Schweine können sich untereinander anhand ihrer Lautsprache erkennen, denn jedes Minischwein grunzt einzigartig.

Minischweine sind soziale Tiere

Zwar können Minipigs eine liebevolle Beziehung zu ihrem Menschen entwickeln, dennoch kann ihnen dieser Artgenossen nicht ersetzen. Aus diesem Grund darfst du dein Minischwein nicht einzeln halten. Sie sind sozial und sehr intelligent, so dass sie leicht Tricks, (Ball-)Spiele und Kommandos lernen können. Dass Schweine keineswegs schmutzig sind, hat sich inzwischen herumgesprochen: Minischweine sind sehr reinliche Tiere und benutzen beispielsweise stets eine feste Klo-Ecke in ihrem Stall. Am besten passen übrigens ein männliches und ein weibliches Tier zusammen, wobei du den Eber kastrieren lassen musst. Bei gleichgeschlechtlichen Paaren kann es leicht zu Kämpfen kommen. Mit anderen Tierarten verstehen sich Minischweine meist sehr gut, wohingegen sie Kleinkinder oft als Eindringling betrachten. Lasse daher ein Kleinkind nie ohne Aufsicht bei deinen Minipigs.

Haltungstipps für Minipigs

Reine Wohnungshaltung ist nichts für Minipigs. Sie gehören viel nach draußen, wo sie Platz zum Spielen, Toben, Matschsuhlen und Buddeln haben. Das kann ein robuster Garten oder eine kleine Weide sein. Der ganzjährige Aufenthalt im Freien stärkt das Immunsystem und verhindert Verhaltensauffälligkeiten. Rund 100 qm pro Schwein gelten als Richtwert. Nichtsdestoweniger brauchen die Schweinchen auch Familienanschluss, d.h. sie möchten sich integriert fühlen und wünschen sich menschliche Zuwendung. Damit die Minischweine möglichst viel und lange draußen sein können, stelle ihnen eine kleine Schutzbehausung zur Verfügung. Dies kann ein mit Heu und Stroh gepolsterter kleiner Schuppen oder eine Hundehütte sein, der sie vor Regen, Sturm oder Hitze schützt. Natürlich dürfen und sollen sich deine Schweinchen auch in der Wohnung aufhalten. Tatsächlich werden sie schnell stubenrein und benutzen für ihr Geschäft gern eine Katzentoilette.

Ernährung von Minischweinen

Schweinen wird nachgesagt, dass sie Allesfresser seien. Das Gegenteil ist der Fall, und du solltest auf ausgewogene Ernährung deiner Minipigs achten. Küchenabfälle, Essenreste, Fleisch, Brot, Süßes oder Salziges gehören nicht in den Trog. Füttere deine Minischweine am besten zweimal täglich mit einem Getreidebrei aus Weizen, Gerste und Hafer, dem du extra Mineralien zusetzen kannst. Achte auf die richtige Dosierung, die sich nach Rasse und Gewicht deines Minipigs richtet. Als Leckerchen freuen sich Minischweine über Obst, Trockenfrüchte oder hartes Brot. Früchte enthalten viel Zucker, so dass du Äpfel, Birnen, Kirschen oder Pfirsiche nur sparsam anbieten solltest. Gern mögen sie Gemüse wie beispielsweise Fenchel, Radieschen, Zucchini, Salat oder Kürbis. Minischweine sind ziemlich verfressen und können schnell zu fett werden, weswegen du auf ausgewogene Kost mit wenig Zucker (durch Früchte) achten solltest.

Minipigs gelten als Nutztiere

Nutztiere unterliegen in Deutschland strengen Regeln. Als Halter von Minischweinen musst du diese bei der Tierseuchenkasse und beim Veterinäramt anmelden. Dein Züchter wird dir erklären, was du alles beachten musst. Bedenke zudem, dass Minischweine recht laut sind, weswegen du mit deinem Vermieter und den Nachbarn klären musst, ob die Haltung gestattet ist.

Gesundheit und Pflege von Minischweinen

Besprich mit deinem Tierarzt, welche Art von Impfungen für deine Minischweine empfohlen wird, da diese regional abhängig ist. Entwurmt werden sie zumeist zweimal pro Jahr. Die Körperpflege übernehmen die Tiere bei artgerechter Haltung selbst, denn das Suhlen im Schlamm macht nicht nur Spaß, sondern hält auch Parasiten von der Haut fern. Stelle dennoch eine kleine Hausapotheke zusammen, die Wundspray, Zeckenmittel-/zange, ein Fieberthermometer, Verbandszeug und eine kleine Zange zur Klauenpflege enthalten sollte. Ein gesundes Minischwein hat normalen Appetit und eine geregelte Verdauung, nimmt Anteil an seiner Umgebung, ist aktiv, spielt und läuft lahmfrei. Artgerechte Haltung und gute Ernährung sind die beste Gesundheitsvorsorge. Bei ersten Krankheitsanzeichen nimm bitte Kontakt zu deinem Tierarzt auf, vor allem im Notfall.

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