Regelmäßig zu Beginn eines neuen Jahres oder vor den großen Ferien haben die Tierheime Hochsaison. Denn Menschen, denen plötzlich ihr Haustier, welches sie geschenkt bekommen haben, zur Last wird, geben ihr Tier dort einfach wieder ab. Die Euphorie ist verflogen, der Alltag hat sie eingeholt und sie haben weder Zeit noch Lust, sich weiter dauernd um das Tier zu kümmern. Aber ein Haustier ist kein Gegenstand, den man einfach wieder abgibt, wenn man ihn nicht mehr haben will. Es gibt viele Gründe, weswegen ein Haustier nicht als Geschenk geeignet ist.

Vier Gründe gegen das Verschenken von Haustieren

Gerade Kinder wünschen sich oft ein Haustier zu Weihnachten oder zum Geburtstag. Doch ihnen diesen Wunsch zu erfüllen, entpuppt sich in den meisten Fällen als Fehler. Bevor dem Kind oder einem anderen Familienmitglied – womöglich noch ohne sein Wissen oder konkreten Wunsch – ein Haustier geschenkt wird, muss dies gut überlegt und geplant sein. Dies sind vier Gründe, warum das Verschenken von Haustieren eher eine schlechte Idee ist.

1. Ausnahmesituation zu Weihnachten
Gerade zu Weihnachten geht es in vielen Familien hektisch zu. Ein Haustier als neues Familienmitglied benötigt Zeit und Aufmerksamkeit, um sich einzugewöhnen. Die Familie und auch das Tier haben nur unnötigen Stress, wenn der Einzug über die Feiertage stattfindet. Andererseits ist Ferienzeit, was dazu verleiten könnte, ein Tier aufzunehmen. Doch geht diese Zeit zu Ende und der Alltag geht wieder los, musst du das neue Haustier in diesen voll integrieren.

2. Jahrelange Verpflichtung
Ein Haustier bedeutet eine langjährige Verpflichtung. Hunde können mindestens bis zu 15, Katzen bis zu 20 Jahre alt werden. Dem Beschenkten muss vorher klar sein, dass er sich über diese Zeitspanne um das Tier kümmern und im Krankheitsfalle versorgen muss. Ist derjenige nicht dazu bereit, verzichte auf ein Haustier als Geschenk.

3. Aneignung von Sachkunde
Leider werden viele Tiere als Gebrauchsgegenstände oder Spielzeug betrachtet und nicht als Lebewesen mit Bedürfnissen. Jedes Haustier benötigt sowohl Zeit als auch Geld für Pflege, Auslauf, Gesundheitsvorsorge, Erziehung, Fütterung usw. Wer ein Tier bei sich aufnimmt, muss sich im Vorfeld genau über die spezifischen Eigenarten der jeweiligen Tierart bzw. Rasse und auch den Kostenaufwand informieren. Unsachgemäße Pflege oder Haltung ist tierschutzwidrig und führt zu Verhaltens- und Gesundheitsproblemen der Tiere, was wiederum zu Abgabe in Tierheimen führen kann. Für Hundehalter ist zudem meistens ein Sachkundenachweis erforderlich.

4. Anschaffung notwendiger Zubehörartikel
Der Einzug eines Haustieres erfordert Vorbereitung nicht nur hinsichtlich Aneignung von Wissen über die Tierart. Das Tier, sei es Hund, Katze oder der Kleinste wie der Hamster, benötigt entsprechend eingeplanten Platz für Körbchen, Katzentoilette, Spielsachen, Futter uvm. Des Weiteren müssen all diese Dinge vor der Ankunft des Tieres besorgt werden.

Tipps zum Anschaffen von Haustieren

Generell gehören Haustiere nicht unter den Weihnachtsbaum oder auf den Gabentisch. In wenigen Situationen mag das Verschenken eines Haustieres klappen, so dass Mensch und Tier eine lange und glückliche Zeit zusammen haben können. Dies erfordert gute und vorausschauende Planung. Beachte hierzu folgende Tipps:

  1. Frage vorher nach. Bringe niemals ein Haustier als Überraschungsgeschenk mit. Selbst wenn du weißt, dass die betreffende Person sich ein Tier wünscht, frage genau, welche Vorstellungen sie hat und welches Tier bzw. Tierart es sein soll. Es gibt viele Leute, dies gut meinen und ihren Angehörigen einfach irgendein ein Tier kaufen, was womöglich gar nicht zu deren Wünschen oder Möglichkeiten passt.
  2. Verschenke, wenn überhaupt, ein Tier nur in deiner unmittelbaren Familie. Es ist nicht empfehlenswert, eigenen Freunden oder denen der Kinder Tiere zu schenken. Die ganze Familie muss in den Entscheidungsprozess vorher mit einbezogen werden.
  3. Stelle sicher, dass der Beschenkte das Tier gut pflegen wird und sich der langjährigen Verantwortung bewusst ist. Kinder beispielsweise sind nicht in der Lage, sich völlig allein um das Tier zu kümmern. Die Mithilfe der Eltern, d.h. ggf. auch deine eigene, muss gewährleistet sein. Falls du als Mutter oder Vater dein Kind nicht unterstützen kannst oder möchtest, hole überhaupt kein Tier ins Haus.
  4. Hast du jemals selbst ein Tier aufgenommen und ausgesucht? Dann wirst du festgestellt haben, dass es neben all den praktischen Argumenten auch eine emotionale Komponente gibt. Die Chemie zwischen dir und dem Tier muss einfach stimmen. Wenn du dir beispielsweise eine junge graugetigerte Katze gewünscht hast und du siehst dann eine ältere rotgetigerte, die dich mit ihrem unverwechselbaren Blick anschaut, dann wirst du dich trotz aller Vorstellungen für die ältere rotgetigerte entscheiden. Zudem bauen Tiere meist die engste Beziehung zu demjenigen auf, der sie aussucht und abholt. Gib daher der Person, die du beschenken möchtest, die Möglichkeit, ihren Hund oder ihre Katze selbst auszuwählen und in Empfang zu nehmen. Verschenke alternativ Informationsmaterial wie Bücher, CDs, ein Zeitschriften-Abo usw.
  5. Der Kauf eines Haustieres ist keine Entscheidung, die leichtfertig und aus einer Laune heraus getroffen werden sollte. Handelt es sich um ein potenzielles Weihnachtsgeschenk, warte das Ende der Feiertage und der Ferien ab, bis der Alltag wieder begonnen hat. Erst dann sollten sich alle Beteiligten in Ruhe zusammensetzen und die Anschaffung eines Haustieres gemeinsam besprechen. Ist die Entscheidung für ein Tier gefallen, eigne dir alles erforderliche Wissen an, besorge alle benötigten Dinge und gehe erst dann in ein Tierheim, um ein Tier auszusuchen.
  6. Frage dich selbst nach deinem Motiv, warum du einer bestimmten Person ein Haustier schenken willst. Möchte die Person wirklich einen Hund, eine Katze, ein Kleintier oder einen Ziervogel haben? Oder hast du ein schlechtes Gewissen ihr gegenüber, weil du z.B. zu wenig Zeit mit ihr verbringst oder du einen Streit beilegen möchtest? In diesem Falle verzichte auf diese Art von Geschenk.

Bitte vermeide, dass Tiere aus Unüberlegtheit oder Unwissen zurück ins Heim müssen. Werden diese gleichzeitig simplen und doch grundlegenden und entscheidenden Tipps beachtet, kann für alle Beteiligten schon fast nichts mehr schiefgehen.

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