Jedes Jahr werden in Deutschland geschätzt rund 300.000 Hunde in Tierheimen abgegeben. Die Aufenthaltsdauer ist unterschiedlich und hängt meist von Alter, Größe, Fellfarbe oder Gesundheitszustand des Tieres ab. Der Anblick eines Hundes „hinter Gittern“ löst bei uns vielerlei Gefühle aus, meist  verbunden mit dem Wunsch, ihm ein schöneres Leben zu schenken. Doch sind Hunde im Tierheim immer unglücklich?

Hunde trauern über ihren Verlust

Vor einigen Tagen ging ein Video in den Social Media viral, welches einen Hund zeigte, der von seiner Familie wegen „Überforderung“ im Tierheim abgegeben wurde. Dieser Hund weinte ununterbrochen so fürchterlich, dass es jedem, der das Video sah, das Herz brach. Die Trauer des Hundes über den für ihn unverständlichen Verlust seines Zuhauses war riesengroß. Dies ist sicherlich einer der Hauptgründe, weswegen Hunde im Tierheim zumindest anfangs sehr unglücklich sind.

Die Abgabe erzeugt auch Leid beim Menschen

Hunde leben seit Jahrtausenden an der Seite der Menschen. Sie sind treue Begleiter, denen die Nähe und Liebe der Menschen wichtig sind. Wird ein Hund aus seiner gewohnten Umgebung herausgerissen, reagiert er zunächst mit Trauer und Unverständnis auf den Verlust seiner Bezugsperson. Hinzu kommt, dass viele Halter den Hund nicht freiwillig abgeben, sondern die Umstände sie dazu zwingen; Jobverlust, der Tod eines Angehörigen oder Krankheit als Abgabegrund erzeugen ebenso viel Leid auf menschlicher Seite.

Die Pluspunkte des Tierheims

Nicht alle Hunde haben das Glück, in sorglosen und geregelten Umständen  zu leben. Viele Halter werden ihren Hunden nicht gerecht, so dass die Tiere an Unterforderung, Langeweile, Einsamkeit, Bewegungsmangel, mangelnder tierärztlicher Versorgung und schlechter Fütterung leiden. Hier liegt ein klarer Pluspunkt beim Aufenthalt im Tierheim: Tierheimmitarbeiter sind bestrebt, dass es den Hunden dort so gut wie möglich geht. Sie werden regelmäßig und gut gefüttert und tierärztlich versorgt. Außerdem haben sie Kontakt zu anderen Hunden, dürfen draußen spielen und toben und sind regelmäßig mit ehrenamtlichen Helfern zum ausgiebigen Gassigang unterwegs.

Jeder Hund reagiert individuell

Dass ein Hund womöglich aus schlechten Haltungsbedingungen herausgeholt wird, mindert nicht zwangsläufig seine Trauer. Oft ist zu beobachten, dass auch solche Hunde, die nicht optimal gehalten werden, an ihren Bezugspersonen hängen und traurig sind, wenn sie diese sowie ihre gewohnte Umgebung verlieren. Wie lange und intensiv ein Hund trauert und sich an die neue Umgebung gewöhnt, ist sehr verschieden und von seiner Persönlichkeit und auch zuvor gemachten Erfahrungen abhängig. Zudem haben Hunde die Fähigkeit, sich recht schnell an neue Lebensumstände zu gewöhnen und sich anzupassen.

Fazit

Zusammengefasst lässt sich sagen, dass Hunde nicht grundsätzlich unglücklich im Tierheim sind. Dennoch ist das Tierheim kein Ersatz für eine liebevolle Familie. Doch wer kann wirklich in sie hineinsehen und sie fragen? Auch eine Hundeseele ist fragil und manch ein gebrochenes Hundeherz heilt nur schwer oder manchmal auch gar nicht. Somit liegt es an uns, achtsam und verantwortungsvoll mit ihnen umzugehen. Dies betrifft auch die „Rettung“ aus dem Tierheim: Wer meint, einen Hund aus dem Tierheim „retten“ zu müssen, ist verpflichtet, sich vorab sachkundig zu machen und gut zu informieren, um den Hund artgerecht zu halten, zu beschäftigen, zu pflegen und zu ernähren. Damit er am Ende nicht wieder im Tierheim landet.