Seit Anfang 2020 hält die Corona-Pandemie die Welt in Atem. Was zunächst harmlos wirkte, entwickelte sich rasch zu einer globalen Katastrophe, die alle Lebensbereiche beeinträchtigt. Soziale Isolation und Einsamkeit durch Kontaktsperren sorgten dafür, dass die Menschen sich Trost bei im Tierheim adoptierten Haustieren suchten. Doch nun schlagen die Tierheime Alarm, denn mit der zunehmenden Entspannung in der Corona-Pandemie kommen die ersten Tiere wieder zurück. 

Haustiere kompensieren die soziale Isolation

Hierzulande erlebten wir im März 2020 den ersten Lockdown. Inzwischen liegen erste Studien vor, wonach sowohl Kinder, Jugendliche und Erwachsene zusehends psychische Symptome wie Depressionen, Angst- oder Hyperaktivitätsstörungen zeigten. Viele Arbeitnehmer wurden im weiteren Jahresverlauf ins Homeoffice geschickt, soziale Kontakte blieben aus. Um die Einsamkeit und das plötzliche Vorhandensein an mehr Zeit zu füllen, stieg die Zahl der adoptierten Hunde, Katzen und Kleintiere seitdem stark an. Doch nun droht die traurige Trendwende.

Haustiere werden nun lästig

Langsam kehrt die Normalität zurück und vielen Menschen wird hier lieb gewonnenes Haustier jetzt schon lästig. Die Kinder gehen wieder in die Schule und die Eltern zur Arbeit und für Hund, Katze oder Kaninchen ist nun keine Zeit mehr. War das Tier in den letzten Monaten Retter in der Not, um die eigenen psychischen Defizite zu kompensieren, muss es nun zurück ins Tierheim.

Auch der herannahende Sommer mit der Aussicht auf Reisen erhöht den Druck, das liebe Tier möglichst schnell wieder loszuwerden. Die Tierheime befürchten das Schlimmste, denn wohin mit all den Tieren? Der Industrieverband Heimtierbedarf hat ermittelt, dass zu Beginn des zweiten Lockdowns im Herbst 2020 rund eine Millionen mehr Tiere als im Vorjahr in deutschen Haushalten lebten, wovon jetzt schon viele wieder im Heim sitzen. 

Besonders Hunde sind betroffen

Besonders betroffen von der aktuellen Abgabewelle sind Hunde, da viele sich in ihrer Einsamkeit und Not unüberlegt einen Welpen angeschafft haben. Hinzu kommt die Problematik, dass gerade in der Corona-Krise der illegale Handel mit Welpen rasant an Fahrt aufgenommen hat. Erste Tierheime vermelden bereits einen Abgabe-Stopp, weil nun diese jungen Hunde zurückgegeben werden. Gründe: Überforderung und Zeitmangel. Doch auch die Katzen- und Kleintierhäuser füllen sich langsam.

Von schlechtem Gewissen oder Tierliebe keine Spur

Jeder echte und verantwortungsvolle Tierfreund kann hierüber nur traurig den Kopf schütteln. Ein lieb gewonnenes Tier wird herzlos ins Heim zurück gebracht, weil das alte Leben an die Tür klopft. Endlich wieder reisen, Freunde treffen, ausgehen. Hinzu kommt das Ende des Homeoffice, so dass die Betreuung des Tieres nicht mehr gewährleistet werden kann. Auch die Kinder haben keine Lust mehr zum Gassi gehen oder sich mit der Katze zu beschäftigen, wo sie doch selbst Haupt-Leitragende der Krise sind. Doch hätte nicht jeder umsichtige und vorausschauende Mensch von alleine darauf kommen können, dass es eine Zeit nach Corona geben wird? Nun werden am Ende die Tiere die Haupt-Leitragenden, die dachten, ein glückliches Zuhause gefunden zu haben.

Was tun?

Es ist durchaus verständlich, dass sich die Menschen nach nahezu eineinhalb Jahren Pandemie nach Normalität sehnen. Jeder einzelne musste seinen Tribut in der Corona-Krise zahlen – emotional, psychisch und finanziell. Doch rechtfertigt das, die Tiere einfach wieder abzuschieben? Was ist zu tun, um diesem Trend entgegenzuwirken? Es ist zu hoffen, dass am Ende das Gewissen der Menschen die Oberhand gewinnt oder auch die Liebe zum Tier, die scheinbar dann doch nicht so groß war. Tierheime und Tierschutzorganisationen stehen jedenfalls vor einem Riesen-Dilemma. Menschen mit Sachkunde, Weitsicht und Hilfsbereitschaft können ihrerseits nun ein Tier aus dem Tierheim adoptieren. Zudem sind finanzielle Spenden sicherlich willkommen, ebenso wie ehrenamtliche Mithilfe bei der Bewältigung der Aufgaben. Es bleibt zu hoffen, dass das Herz zumindest einiger Menschen groß genug ist und sie ihr Tier auch nach der Corona-Krise behalten.