Normalerweise ist der Hund treuer Begleiter eines blinden Menschen. Wenn jedoch der Hund erblindet, ist es umgekehrt und du bist derjenige, der ihm im Alltag hilfreich zu Seite steht. Ob die Erblindung des Hundes schrittweise erfolgt oder plötzlich auftritt: Im Allgemeinen kommen Hunde mit der Hilfe ihres menschlichen Gefährten erstaunlich gut damit zurecht. Erfahre hier, wie du deinen blinden Hund im Alltag bestmöglich unterstützen kannst.

Ursachen für Erblindung

Es gibt verschiedene Ursachen für die Erblindung eines Hundes. Erblindung kann als begleitende Alterserscheinung auftreten, wobei die Sehkraft mit der Zeit immer weiter abnimmt. Andere Erkrankungen wie Grauer Star (Katarakt) oder Grüner Star (Glaukom) können erblich bzw. rassebedingt mehr oder weniger plötzlich auftreten. Zusammengefasst werden Erkrankungen der Netzhaut, die zur Erblindung des Hundes führen, PRA (Progressive Retinaatropie) genannt. Derzeit gilt PRA als unheilbar.

Erhalte die Selbständigkeit deines Hundes

Grundsätzlich gilt, dass du deinen blinden Hund möglichst genauso behandeln solltest wie vor seiner Erblindung. Lasse ihn seine Wege allein gehen, ohne ihn beispielsweise zu seinem Ziel zu tragen. Das wäre für ihn eher verwirrend als nützlich, da er den Weg von A nach B nicht nachvollziehen könnte. Gib ihm auch die Möglichkeit, sein Terrain selbständig in Ruhe zu erkunden. Er wird sich schnell seine Wege einprägen und seine erstaunliche Riechkraft als Orientierungshilfe hinzuziehen. Des Weiteren solltest du nach wie vor mit deinem Hund spielen! Wähle hierfür sicheres Spielzeug, welches hörbar ist. Auch mit Fährtensuchspielen kannst du deinen blinden Hund sinnvoll beschäftigen. Deiner Fantasie sind hier keine Grenzen gesetzt, sofern dein Hund Spaß daran hat und es sicher ist.

Unterstützung des blinden Hundes Zuhause

In erster Linie benötigt der erblindete Hund Routine und Verlässlichkeit hinsichtlich seiner Umgebung. Das bedeutet, dass du die Räume, die dein Hund nutzt, möbeltechnisch nicht verändern solltest. Lasse alles dort, wo es ist und räume Stolperfallen wie Bodenvasen oder andere Deko-Gegenstände aus dem Weg. Platziere auch seine Futternäpfe und das Körbchen an einem festen Ort. Denn da dein Hund eine hervorragende Nase hat, wird er sich bei abnehmender Sehkraft vornehmlich an Düften orientieren und darüber schnell seinen Weg finden. Entferne auch scharfe Kanten von Möbel (beispielsweise Sofatische), die sich auf Höhe des Hundes befinden. Manche Bereiche, die schwer zu sichern sind (Kellertreppen, Gartenbereiche, o.ä.) kannst du zur Sicherheit komplett mithilfe eines Gitters für deinen Hund sperren.

Nutze aktiv den Hörsinn des Hundes

Damit dein Hund weiß, wo sich alle mit im Haushalt lebenden Personen oder andere Tiere befinden, kann es hilfreich sein, diese mit einem akustischen Signal auszustatten. Andere Hunde kann der blinde Hund beispielsweise am Klappern der Hundemarke am Halsband erkennen. Auch das Anbringen eines kleinen Glöckchens an menschlichen und tierischen Mitbewohnern ist zu überlegen, wobei das Gebimmel auch nicht in Stress ausarten soll. Du kannst zunächst einmal ausprobieren, wie der blinde Hund mit der Orientierung unter seinen Mitbewohnern zurechtkommt. Da Hunde ein extrem gutes Gehör haben, ist es möglich, dass er alle Mitbewohner anhand ihrer normalen Geräusche, die bei Bewegung entstehen, wahrnehmen kann.

Gassi gehen mit dem blinden Hund

Gerade am Anfang der Erblindung ist es wichtig, mit dem Hund in seiner gewohnten Umgebung Gassi zu gehen. Denn hier ist ihm alles vertraut und er erkennt jeden Grashalm am Geruch, was ihm die nun so benötigte Sicherheit vermittelt. Ob du ausschließlich mit Leine gehst oder deinen Hund auch frei laufen lässt, hängt von individuellen Faktoren ab. Lässt sich dein Hund jederzeit abrufen oder ist sogar schon ein älteres und gemütliches Semester, spricht nichts dagegen, ihn abzuleinen. Bedenke aber, dass er sich womöglich leichter vor Radfahrern oder Autos erschrecken kann, da ihm die Orientierung über den Sehsinn fehlt. Gehe deswegen gerade am Anfang auf Nummer Sicher und lasse die Leine dran. Alternativ kannst du auch eine Schleppleine einsetzen, um deinem blinden Hund mehr Bewegungsfreiheit zu gewähren.

Trainingstipps für blinde Hunde

Falls du vorher mit Handzeichen und Körpersprache gearbeitet hast, musst du nun auf akustische Signale setzen. Hierzu musst du deinen Hund womöglich umtrainieren und ihm die Signale über deine Stimme beibringen. Dies ist besonders wichtig in Gefahrensituationen, in denen du deinen blinden Hund warnen musst. Aber auch bei alltäglichen Handgriffen, mit denen du dich deinem Hund näherst oder etwas von ihm willst, ist dein Hund mehr denn je auf deine Stimme angewiesen. Auch hier hängt vieles von der individuellen Situation deines Hundes ab. Es ist etwas anderes, ob er in jungen Jahren erblindet oder als Hunde-Senior mit weiteren altersbedingten Einschränkungen. Lasse dir im Zweifel von einem erfahrenen Hundetrainer bei der „Umerziehung“ deines blinden Hundes helfen.

Begegnung mit anderen Hunden

Wenn du mit deinem Hund spazieren gehst, mache ihn als „blinden Hund“ mithilfe von Halstüchern oder Halsbändern mit entsprechenden Symbolen kenntlich. Dies hilft anderen Menschen dabei, die euch begegnen, entsprechend damit umzugehen. Es spricht nichts dagegen, dass dein blinder Hund mit anderen Hunden spielt – im Gegenteil. Sozialkontakte zu Artgenossen sind nach wie vor wichtig und du solltest sie ihm nicht vorenthalten. Beachte hierbei, dass die Hunde miteinander verträglich sind und der sehende Hund deinen blinden Hund nicht „unterbuttert“. Alle sollen sich miteinander wohlfühlen. Beobachte hierbei besonders die Körpersprache deines Hundes, damit du unter Umständen eingreifen kannst, bevor eine Situation eskaliert.

Fazit

Gemeinsam könnt ihr die Erblindung deines Hundes meistern. Mit viel Geduld, Liebe und Verständnis wird das Leben deines blinden Hundes weiterhin freudvoll und lebenswert sein.

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Über den Autor / die Autorin → Andrea Schubert
Ich liebe Tiere sehr und hatte Kaninchen, Meeris, Hunde, Katzen und ein Pferd. Vor einigen Jahren habe ich bereits Beiträge für ein Haustier-Printmagazin geschrieben.