Es gibt Hunde, die allerliebst im täglichen Umgang sind, jedoch an der Leine zu wahren Rambos mutieren. Leinenaggression ist nicht nur nervig und anstrengend für dich als Halter, sondern liegt ihr vor allem ein Stress beim Hund zugrunde. Außerdem kann Leinenaggression, vor allem bei großen und schweren Hunden, durchaus gefährlich werden. Wie kannst du dir und deinem Hund helfen?

Definition von Leinenaggression

Wie der Begriff schon sagt, zeigt ein Hund nur auffälliges Verhalten, wenn er sich an der Leine befindet. Dieses Verhalten kann sich unterschiedlich zeigen, doch prinzipiell bedeutet Leinenaggression, dass der Hund bellt, hochspringt, angreifen will, die Zähne fletscht, nahezu unkontrollierbar wird. Manche Hunde reagieren beispielsweise grundsätzlich auf alle anderen Hunde, die ihnen begegnen oder auf einen bestimmten Hundetypus, andere flippen beim puren Anblick von Passanten oder Radfahrern aus. In jedem Fall setzt ein solches Verhalten zusätzlichen Stress sowohl beim Hund als auch beim Halter frei. Denn im Falle von Leinenaggression ist davon auszugehen, dass der Stress schon vorher beginnt.

Ursachen von Leinenaggression

Meistens kommen mehrere Faktoren zusammen, die aus einem grundsätzlich umgänglichen Hund einen Leinen-Rambo machen. Es einfach nur pauschal auf „schlechte Erfahrungen“ zurückzuführen, ist zu kurz gedacht, denn meist liegt ein Zusammenspiel mehrerer Umstände zugrunde, was die Sache immer weiter hochschaukelt. Deswegen solltest du zunächst Ursachenforschung betreiben, um danach die Lösungen anzugehen. Ursachen von Leinenaggression können sein:

1. Deine Rolle als Hundeführer:
Wenn du die Signale und Körpersprache deines Hundes nicht richtig deuten kannst, kann es leicht zu Missverständnissen zwischen dir und deinem Hund kommen – die häufigste Ursache für Probleme zwischen Mensch und Hund. Auch Inkonsequenz gehört dazu. Dies alles kann deinen Hund verunsichern und zu plötzlichen Ausrastern an der Leine führen. Wenn du schon vor dem Gassigang gestresst bist und Angst hast, was wieder unterwegs passieren kann, überträgt sich dies ebenfalls sofort auf deinen Hund.

2. Die Haltungsbedingungen des Hundes:
Wichtig und unverzichtbar für ein glückliches Hundeleben sind optimale Haltungsbedingungen. Hierzu gehört zunächst ausreichend Platz – ein Schäferhund wird sich beispielsweise in einer 2-Zimmer-Wohnung im 3. Stock nicht wirklich wohlfühlen. Den Bedürfnissen des Hundes angepasste körperliche und geistige Auslastung sind ebenfalls unabdingbar. Hat der Hund unter Platz- und Bewegungsmangel zu leiden und wird nur kurz an der Leine zum Gassigehen rausgelassen, ist es kein Wunder, dass dies zu Leinenaggression führt und er rebelliert.

3. Prägungen im Welpenalter
Es ist schön für kleine Hunde, wenn sie erste Kontakte draußen mit anderen Hunden knüpfen dürfen. Jedoch sollte der Welpe rechtzeitig lernen, dass er dir an der Leine folgen muss. Dürfen Welpen oder Junghunde von jeher an der Leine machen, was sie wollen, werden sie das vermutlich auch später tun und können unter Umständen eine Leinenaggression entwickeln.

4. Generelle Leinenführigkeit
Neigt dein Hund dazu, deine Kommandos an der Leine zu missachten und zieht dich durch die Gegend? Schlechte Leinenführigkeit erschwert die Problemlösung bei Leinenaggression. Der Unterschied liegt jedoch darin, dass ein nicht leinenführiger Hund friedliebend ist und sich einfach nur darum kümmert, wohin es ihn gerade zieht, ohne an dich am anderen Ende der Leine zu achten.

Problemlösung bei Leinenaggression

Aus oben genannten Einflüssen kannst du leicht erste Lösungsansätze für deinen an Leinenaggression leidenden Hund zu entwickeln:

1. Prüfe selbstkritisch deine Sachkenntnis in Sachen Hundehaltung und -erziehung und frische dein theoretisches und praktisches Wissen ggf. auf.

2. Wie entspannt bzw. angespannt bist du, wenn du mit deinem Hund raus gehst? Wenn du Angst hast und schon mit schlechten Gedanken losgehst, wird dein Hund dies spüren. Versuche, dich so weit wie möglich zu entspannen, tief durchzuatmen und mit positiver Haltung den Spaziergang anzutreten.

3. Nimm die Haltungsbedingungen deines Hundes unter die Lupe. Ist er ausgelastet? Hat er Freilauf oder darf er nur kurze Strecken angeleint laufen? Hat er genug Platz und Ruhe in der Wohnung bzw. im Haus?

4. Überprüfe Sitz und Passform deiner Ausrüstung. Passen Halsband und Geschirr oder drückt etwas? Ist die Leine zweckmäßig und gut handhabbar? Eine passende Ausrüstung ist elementar wichtig, da sie zum einen dem Hund keinen Schmerz bereitet und zum anderen dir das Gefühl von Kontrolle und Sicherheit gibt.

5. Scheue dich nicht, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen. Suche dir einen guten Hundetrainer oder eine Hundeschule, die dir und deinem Hund geduldig helfen, die Leinenaggression abzubauen.

Zusammenfassung & Checkliste: Hilfe bei Leinenaggression

  1. Aktuelle Sachkunde des Hundehalters
  2. Entspannte und positive Grundhaltung beim Gassigang
  3. Überprüfung und ggf. Verbesserung der Haltungsbedingungen
  4. Prüfung der Ausrüstung auf richtige Passform
  5. Inanspruchnahme eines Hundetrainers

Fazit

Leinenaggression ist definitiv eine Herausforderung, aber kein unlösbares Problem. Denke daran, dass dein Hund keineswegs aggressiv ist, sondern letztendlich durch sein Verhalten auf eine Art von Stress hinweist, den er empfindet. Mit diesem Gedanken im Hinterkopf könnt ihr gemeinsam eine Lösung finden.

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Über den Autor / die Autorin → Andrea Schubert
Ich liebe Tiere sehr und hatte Kaninchen, Meeris, Hunde, Katzen und ein Pferd. Vor einigen Jahren habe ich bereits Beiträge für ein Haustier-Printmagazin geschrieben.